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Binder-Jetting-Sand (gedruckte Gießformen)

Binder-Jetting-Sand (gedruckte Gießformen)

Metalle
Binder JettingSandgussGießereiGuss

Technische Referenz zu gedruckten Sandformen und Kernen im Binder Jetting: Verfahren, Sande und Binder, Gusslegierungen, Konstruktionsregeln, Toleranzen, Nachbearbeitung, Kosten sowie Vergleich mit Modell- und Feinguss.

Binder Jetting baut Sandformen und Kerne direkt aus CAD-Daten auf. Ein Beschichter trägt eine dünne Schicht Formsand auf, ein Druckkopf dosiert flüssigen Binder überall dort, wo die Form fest sein soll, und der Vorgang wiederholt sich, bis die Baubox gefüllt ist. Anschließend wird der ungebundene Sand entfernt; die gedruckten Formteile und Kerne werden zusammengesetzt, bei Bedarf geschlichtet und in der Gießerei wie konventionelle Sandformen mit Schmelze abgegossen. Das Ergebnis ist ein Metallgussteil; der gedruckte Sand ist eine verlorene Form, die nach dem Abguss zerstört wird.

Wählen Sie gedruckte Sandformen für Prototypenguss, Einzelstücke und Kleinserien komplexer Teile: Pumpengehäuse, Laufräder, Ventilgehäuse, Verteiler und Zylinderköpfe mit aufwendigen Kernen. Da weder Modell noch Kernkasten nötig sind, können die ersten Teile kurz nach der Konstruktionsfreigabe gegossen werden, und eine Änderung erfordert nur einen neuen Druck. Grenzen sind höhere Kosten pro Form als beim konventionellen Formen in größeren Stückzahlen, eine Sandgussoberfläche und die üblichen gießtechnischen Regeln zu Wandstärke, Speisung und Schwindung. Bei Uretyco sind Sandguss und Feinguss auf Anfrage verfügbar; Machbarkeit, Legierung und Gießverfahren werden in der Angebotsprüfung bestätigt.

Eigenschaften von Form und Gussteil

EigenschaftTypischer WertHinweise
Schichtdicke≈ 0,25–0,4 mmAbhängig von Maschine und Sand; dünnere Schichten bilden feinere Details ab, bauen aber langsamer.
Korngröße des Sands≈ 0,1–0,25 mm im MittelFeinerer Sand ergibt glattere Gussoberflächen, aber eine geringere Gasdurchlässigkeit.
SandartenQuarzsand; Keramik- und andere SpezialsandeQuarzsand ist Standard; Spezialsande mit geringerer Wärmeausdehnung oder höherer Feuerfestigkeit eignen sich für Stahl und anspruchsvolle Gussteile.
BindersystemeFuran, Phenol oder anorganischDie Gießerei wählt sie passend zu Legierung und Gießtemperatur; siehe Abschnitt Sande und Binder.
FormschrägenNicht erforderlichEs wird kein Modell aus der Form gezogen, daher sind Flächen ohne Schräge und Hinterschnitte möglich.
Mindestwandstärke des Gussteils≈ 3–5 mm bei Aluminium und GusseisenBestimmt durch das Fließen der Schmelze im Sand, nicht durch den Drucker; Stahl braucht dickere Wände.
InnenkanäleMit gedruckten Kernen möglichKerne brauchen Öffnungen im Gussteil für Lagerung, Entlüftung und das Entfernen des Sands nach dem Abguss.
Rohgussoberfläche≈ Ra 6–25 µmAbhängig von Sandkorn, Schlichte und Legierung; bearbeitete Flächen werden gesondert angegeben.
GusstoleranzenNach ISO 8062-3, mit der Gießerei abgestimmtGedruckte Formen kennen keinen Modellverschleiß und verringern Kernversatz; der Toleranzgrad hängt von Legierung, Größe und Gießereipraxis ab.
GusslegierungenAluminium, Gusseisen, Stahl, KupferlegierungenDie verfügbaren Legierungen hängen von der Gießerei ab und werden in der Angebotsprüfung bestätigt.
FormgrößeMaschinenabhängigGroße Formen werden in Segmenten gedruckt und vor dem Abguss zusammengesetzt.
Typische Werte, keine Bemessungswerte

Die Werte beschreiben gedruckte Sandformen und typische Sandgussteile und variieren mit Drucker, Sand, Binder, Schlichte, Legierung und Gießereipraxis. Die mechanischen Eigenschaften des Teils stammen aus Legierung und Gießprozess, nicht aus der Form: Legen Sie nach der Legierungsnorm aus, etwa EN 1706 oder ASTM B26 für Aluminiumguss und EN 1561 oder EN 1563 für Gusseisen mit Lamellen- oder Kugelgraphit, und vereinbaren Sie Probestäbe oder Probenprüfungen, wo es darauf ankommt.

Gussteile für gedruckte Sandformen konstruieren

Der Drucker hebt die meisten Einschränkungen durch Modell und Kernkasten auf, das Teil bleibt aber ein Sandgussteil. Konstruieren Sie das Gussteil, nicht die Form: Die Gießerei ergänzt Anschnitt, Speiser und Schwindmaß und teilt die Form in druckbare Segmente. Praktische Regeln:

  • Gussteil hochladen: Liefern Sie die Rohgussgeometrie mit Bearbeitungszugaben oder das Fertigteil mit gekennzeichneten Bearbeitungsflächen. Fügen Sie eine Formkonstruktion nur bei, wenn Sie sie mit einer Gießerei entwickelt haben.
  • Gleichmäßige Wände: Halten Sie Querschnitte möglichst gleich, gestalten Sie Übergänge allmählich und entkernen Sie massive Augen, denn dicke Querschnitte und abrupte Übergänge verursachen Schwindungsporosität.
  • Freie Form ohne Schrägen: Gedruckte Formen brauchen keine Formschrägen und erlauben Hinterschnitte und komplexe Teilungen, sodass sich Merkmale, die konventionelles Formen nicht abbilden kann, in einem Stück gießen lassen.
  • Kerne und Entkernen: Jeder Innenkanal braucht Öffnungen im Gussteil für Kernmarken, Entlüftung und das Entfernen des Sands nach dem Abguss. Geschlossene Innenhohlräume lassen sich nicht gießen.
  • Schlanke Kerne: Lange, dünne Kerne können beim Handling brechen oder in der Schmelze aufschwimmen und sich verschieben; geben Sie ihnen genug Querschnitt und Abstützung oder besprechen Sie Alternativen mit der Gießerei.
  • Bearbeitungszugabe: Sehen Sie Aufmaß an Dichtflächen, Bohrungen und Bezugsmerkmalen vor und geben Sie ein Bezugssystem an, damit das Gussteil sicher gespannt und bearbeitet werden kann.

Sande und Binder

Quarzsand ist das Standarddruckmaterial; Spezialsande mit geringerer Wärmeausdehnung oder höherer Feuerfestigkeit kommen bei Stahl und bei Gussteilen mit Neigung zu Sandfehlern zum Einsatz. Der Binder bestimmt die Formfestigkeit, die Gasentwicklung beim Abguss und wie leicht Kerne danach zerfallen. Die Gießerei wählt das System in der Regel passend zur Legierung:

BindersystemEigenschaftenTypischer Einsatz
FuranharzSäurehärtend; gute Festigkeit und Genauigkeit; gast beim Abguss aus, daher müssen Formen entlüftet werdenDas verbreitetste System; Aluminium, Gusseisen und viele Stahlgussteile
PhenolharzMeist nach dem Druck thermisch ausgehärtet; gute Stabilität bei hohen GießtemperaturenStahl und andere Hochtemperaturlegierungen
Anorganisch (silikatbasiert)Kaum Rauch und Geruch beim Abguss; Kerne zerfallen leicht; feuchtigkeitsempfindlichVor allem Aluminiumguss, etwa Motoren- und Strukturteile

Toleranzen und Oberfläche

Gusstoleranzen hängen von Legierung, Teilegröße und Gießerei ab und werden in Angebot und Auftragsprüfung bestätigt. Geben Sie sie mit einer Gusstoleranznorm wie ISO 8062-3 an und legen Sie enge Toleranzen nur auf bearbeitete Merkmale; diese lassen sich wie CNC-Teile tolerieren, wobei bei Uretyco für nicht angegebene Bearbeitungstoleranzen ISO 2768-mK gilt. Gedruckte Formen übertragen die CAD-Geometrie ohne Modellverschleiß und verringern Kernversatz; Schwindung der Schmelze, Formausdehnung und Verzug des Gussteils bleiben aber bestehen. Rohgussoberflächen zeigen das Sandkorn; geben Sie Ra nur an bearbeiteten Flächen an, die es benötigen.

Oberflächenbehandlungen

Nach Abguss und Abkühlung wird die Form zerstört und das Gussteil gereinigt. Weitere Schritte hängen von Legierung und Funktion ab und werden im Angebot vereinbart.

OberflächeWirkungHinweise
Ausleeren, Abtrennen und PutzenEntfernt Sand, Anschnitte, Speiser und GratStandard bei jedem Sandgussteil; Ansatzstellen werden bündig verschliffen.
StrahlenSaubere, gleichmäßige OberflächeEntfernt Restsand und Zunder; übliche Grundoberfläche.
WärmebehandlungGeforderte mechanische EigenschaftenZum Beispiel T6 bei A356 oder Glühen bei Stahl; Abschrecken kann dünne Querschnitte verziehen.
CNC-BearbeitungPassungen, Dichtflächen, Bohrungen und GewindeBraucht Bearbeitungszugabe und ein Bezugssystem in der Zeichnung.
ImprägnierenDichtet Porosität abFür druckdichte Teile, sofern die Spezifikation es zulässt.
Lack oder PulverbeschichtungKorrosionsschutz und FarbeGussteile werden oft vorab ausgeheizt, um Fehler durch aus Poren austretendes Gas zu vermeiden.
Den ersten Abguss als Prüfung nutzen

Da kein Modell beteiligt ist, bedeutet eine Konstruktionsänderung nur eine neu gedruckte Form. Prüfen Sie an den ersten Gussteilen Wandstärken, Gussqualität und Bearbeitungszugaben, bevor Sie weitere bestellen, und fordern Sie eine Erstmusterprüfung an, wenn das Teil wiederholt gefertigt wird.

Kosten- und Lieferzeittreiber

Gedruckte Formen ersetzen die einmaligen Modellkosten durch Kosten pro Form und eignen sich deshalb für Einzelstücke und Kleinserien. Die wichtigsten Hebel:

  • Formvolumen und Bauboxnutzung: Der Druckpreis richtet sich weitgehend nach dem Sandvolumen und der Bauzeit einer Form; kompakte Anordnungen und das gemeinsame Drucken mehrerer Formen senken die Kosten.
  • Stückzahl: Ohne Modellkosten sind die ersten Gussteile wirtschaftlich; bei größeren Stückzahlen ist ein konventionelles Modell mit Maschinenformerei pro Teil günstiger.
  • Legierung und Gießereiarbeit: Abguss, Ausleeren, Putzen, Wärmebehandlung und Bearbeitung übersteigen die gedruckte Form bei Kosten und Lieferzeit oft deutlich; Stahl erfordert Spezialsande und Schlichten.
  • Kerne und Montage: Mehrteilige Formen und viele Kerne erhöhen den Montage- und Prüfaufwand.
  • Qualitätsumfang: Erstmusterprüfung, Messberichte, Röntgen- oder Druckprüfungen und Werkstoffzeugnisse sind optional und müssen Teil des Auftragsumfangs sein. Machbarkeit und Lieferzeit werden in der Angebotsprüfung bestätigt.

Gedruckte Sandformen im Vergleich zu anderen Gießverfahren

VerfahrenWerkzeugTypische StückzahlOberfläche und DetailGestaltungsfreiheitHinweise
Gedruckte Sandform (Binder Jetting)Keines; Formen aus CAD gedrucktEinzelstück bis KleinserieSandgussoberflächeSehr hoch: komplexe Kerne, keine FormschrägenHöhere Kosten pro Form
Sandguss mit ModellModell und KernkästenKleine bis große SerienSandgussoberflächeBegrenzt durch Formschrägen, Teilung und KernkästenNiedrigste Kosten pro Form, sobald das Modell existiert
FeingussWachsmodellwerkzeug oder gedruckte Modelle für PrototypenKleine bis große Serien kleinerer TeileFeine Details, glatte OberflächeHoch, aber begrenzte TeilegrößeBreites Legierungsspektrum einschließlich Stählen
CNC-Bearbeitung aus dem VollenKeinesEinzelstück bis mittlere SerieAm bestenBegrenzt durch WerkzeugzugänglichkeitKein Gießrisiko; Materialverlust bei großen Teilen
Metall-3D-Druck (zum Beispiel AlSi10Mg)KeinesEinzelstücke, kleine TeileRau, mit feinen DetailsAm höchstenTeuer bei großen oder schweren Teilen

Gedruckte Formen schließen die Lücke zwischen dem Fräsen aus dem Vollen und dem Modellguss: Sie machen Einzel- und Prototypenguss praktikabel und werden oft eingesetzt, bevor ein konventionelles Modell gebaut wird. Feinguss liefert an kleineren Teilen feinere Oberflächen; dort übernehmen gedruckte Wachs- oder ausbrennbare Harzmodelle dieselbe Rolle für Prototypen.

Wann gedruckte Sandformen nicht die richtige Wahl sind

Typische Fehlgriffe

Große Serien desselben Gussteils: Ein konventionelles Modell amortisiert sich schnell. Kleine, feingliedrige Teile mit Wänden unter etwa 3 mm: Prüfen Sie Feinguss oder Metalldruck. Teile, die sich wirtschaftlich aus Stange oder Platte fräsen lassen. Konstruktionen, die noch nicht gießgerecht sind, mit ungleichmäßigen Wänden, geschlossenen Hohlräumen oder ohne Möglichkeit, den Kernsand zu entfernen. Teile, die ohne Bearbeitung überall enge Toleranzen brauchen.

Typische Anwendungen

  • Prototypenguss für Pumpengehäuse, Laufräder und Ventilgehäuse.
  • Zylinderköpfe, Motorblöcke und Ansaugkrümmer in der Entwicklung, mit komplexen Kernen.
  • Ersatzteile, deren Originalmodell verloren oder verschlissen ist.
  • Kleinserien großer Gussteile für Maschinenbau und Energietechnik.
  • Gedruckte Kerne in Kombination mit konventionellen Formen für komplexe Innenkanäle.
  • Kunst- und Architekturguss.

Gussteile aus gedruckten Sandformen bei Uretyco spezifizieren

  1. 1
    Gussteilmodell und Zeichnung hochladen

    STEP des Rohgussteils mit Bearbeitungszugaben oder des Fertigteils mit gekennzeichneten Bearbeitungsflächen. Fügen Sie eine PDF-Zeichnung mit Bezügen, Toleranzen und Gusstoleranznorm bei.

  2. 2
    Legierung und Zustand angeben

    Zum Beispiel A356-T6 (EN AC-42100), Gusseisen mit Kugelgraphit EN-GJS-400-15 oder eine Stahlgusssorte, jeweils mit der maßgeblichen Norm.

  3. 3
    Stückzahl und Projektphase beschreiben

    Prototyp, Einzelstück oder Kleinserie, und ob später ein konventionelles Modell folgen kann; danach richtet sich die Wahl zwischen gedruckter und konventioneller Form.

  4. 4
    Qualitätsanforderungen festlegen

    Druck- oder Dichtheitsprüfungen, Röntgen, Erstmusterprüfung, Messberichte und Werkstoffzeugnisse sind optional und sollten mit dem Angebot angefordert werden.

  5. 5
    Guss anfragen und Angebot prüfen

    Sandguss und Feinguss sind auf Anfrage verfügbar. Machbarkeit, Gießverfahren, Legierung und Lieferzeit werden vor der Bestellung in der Angebotsprüfung bestätigt.

Häufige Fragen

Erhalte ich die Sandform oder das Gussteil?

In der Regel das Metallgussteil. Die gedruckte Form ist eine verlorene Form, die beim Entnehmen des Gussteils zerstört wird. Wenn Sie gedruckte Formen oder Kerne für Ihre eigene Gießerei benötigen, geben Sie das in der Anfrage an; die Machbarkeit wird in der Angebotsprüfung geklärt.

Wie genau sind Gussteile aus gedruckten Formen?

Vergleichbar mit gutem Sandguss, oft mit weniger Kern- und Formversatz, weil die Form direkt aus CAD-Daten entsteht. Geben Sie für Rohgussmerkmale einen Toleranzgrad nach ISO 8062-3 an und lassen Sie Passungen, Dichtflächen und Bohrungen bearbeiten.

Wann sollte ich auf ein konventionelles Modell umstellen?

Sobald die Konstruktion stabil ist und das Gussteil wiederholt bestellt wird. Gedruckte Formen eignen sich für Prototypen, Konstruktionsschleifen und Kleinserien; bei größeren Stückzahlen senken Modell und Maschinenformerei die Kosten pro Teil. Wenn Sie die erwarteten Jahresmengen angeben, kann das Angebot beide Wege vergleichen.

Welchen Binder sollte ich wählen?

Meist entscheidet die Gießerei anhand von Legierung, Gussteilgröße und eigenem Prozess. Furan ist die häufigste Wahl, anorganische Binder eignen sich für emissionsarmen Aluminiumguss, und Phenolharz wird für Stahl eingesetzt. Geben Sie die Legierung und eventuelle Anforderungen an Emissionen oder Sauberkeit an und lassen Sie den Binder offen, sofern Ihre Spezifikation ihn nicht festlegt.

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