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Digital ABS (ABS-ähnlicher PolyJet-Werkstoff)

Digital ABS (ABS-ähnlicher PolyJet-Werkstoff)

Kunststoffe
PolyJetDigital ABSFunktionsprototypPhotopolymer

Technische Referenz zu Digital ABS: typische Kennwerte im Druckzustand und nach thermischer Nachbehandlung, PolyJet-Regeln, Oberflächen, Kostentreiber sowie Vergleich mit PolyJet Rigid, zähem SLA-Harz und FDM-ABS.

Digital ABS ist ein digitales PolyJet-Material: Zwei steife Photopolymere mit sich ergänzenden Eigenschaften werden in einer festen Mikrostruktur gemeinsam verdruckt und im selben Druckauftrag mit UV-Licht ausgehärtet. Der entstehende Verbund bildet Standard-ABS in Steifigkeit und Schlagverhalten deutlich besser nach als einzelne steife PolyJet-Werkstoffe und behält die feinen Details und glatten Oberflächen von PolyJet. Ein Ofenzyklus nach dem Druck, die thermische Nachbehandlung, hebt die Wärmeformbeständigkeit bei 0,45 MPa von etwa 58–68 °C auf etwa 82–90 °C.

Digital ABS eignet sich für Funktionsprototypen, die mehr Zähigkeit und Wärmebeständigkeit als Standard-PolyJet benötigen: Schnapp- und Montagetests, Gehäuse, Teile, die bei der Erprobung angefasst oder fallen gelassen werden, sowie Einsätze für kurze Spritzguss-Versuchsserien. Es bleibt ein Photopolymer und kein Thermoplast. Es erreicht weder die Schlagzähigkeit noch die Langzeitstabilität von spritzgegossenem ABS, altert unter UV-Licht und kriecht unter Dauerlast. Für Endanwendungen wählen Sie gefräste, spritzgegossene oder im Pulverbett gedruckte Thermoplaste.

Mechanische und physikalische Eigenschaften

EigenschaftTypischer WertHinweise
Zugfestigkeit≈ 55–60 MPaASTM D638, gedruckte Probestäbe.
Bruchdehnung≈ 25–40 %Deutlich höher als bei PolyJet Rigid Opaque (≈ 10–25 %).
Zug-E-Modul≈ 2,6–3,0 GPaEtwas steifer als spritzgegossenes ABS.
Biegefestigkeit≈ 65–75 MPaASTM D790.
Kerbschlagzähigkeit (Izod)≈ 90–115 J/mASTM D256. Etwa das Vierfache von PolyJet Rigid Opaque; unter spritzgegossenem ABS (≈ 150–400 J/m).
HDT bei 0,45 MPa, gedruckt≈ 58–68 °CASTM D648.
HDT bei 0,45 MPa, nach thermischer Nachbehandlung≈ 82–90 °COfenzyklus nach dem Druck; kann dünne oder lange Teile verziehen.
HDT bei 1,82 MPa≈ 51–55 °CIm Druckzustand; maßgeblich für belastete Teile.
Härte≈ 85–87 Shore DHarte Oberfläche.
Dichte≈ 1,17–1,18 g/cm³Ausgehärteter Werkstoff; schwerer als ABS (≈ 1,04–1,06 g/cm³).
Typische Werte, keine Bemessungswerte

Typische Datenblattwerte für Digital ABS, gemessen an gedruckten Probestäben. Reale Teile variieren mit Wanddicke, Ausrichtung, Druckmodus, Nachbehandlung und Alter. Die Zähigkeit setzt voraus, dass sich die Verbundstruktur vollständig ausbildet, wofür ausreichende Wanddicken nötig sind; Photopolymere verändern sich unter UV-Einfluss und mit der Zeit weiter.

Konstruieren für Digital ABS

Digital ABS folgt den allgemeinen PolyJet-Regeln: Überhänge und Hohlräume entstehen auf einem Stützmaterial, das nach dem Druck entfernt wird, und sehr dünne Schichten ergeben feine Details. Die Verbundstruktur und der funktionale Einsatz bringen einige zusätzliche Punkte mit sich:

  • Wanddicke: Für die volle Zähigkeit werden Wände ab etwa 1,2 mm empfohlen. Für dünnere Wände gibt es Typvarianten für dünne Querschnitte; geben Sie dünnwandige Bereiche an, damit der Typ im Angebot bestätigt werden kann.
  • Schnapphaken und Clips: Sehen Sie großzügige Fußradien und moderate Auslenkung vor, und prüfen Sie die Konstruktion an einem Druck. Digital ABS ist zäher als PolyJet Rigid, verzeiht aber weniger als spritzgegossenes ABS.
  • Gewinde und Einsätze: Gedruckte Gewinde eignen sich für gelegentliche Montage. Für wiederholte Montage verwenden Sie Einpress- oder Klebeeinsätze in vorbereiteten Bohrungen.
  • Flache und lange Teile: Die thermische Nachbehandlung kann dünne, lange oder flache Teile verziehen. Rippen und gleichmäßige Wände helfen; kennzeichnen Sie Merkmale, die eben bleiben müssen.
  • Glänzend oder matt: Flächen mit Stützkontakt werden matt. Richten Sie Sichtflächen nach oben aus oder wählen Sie ein gleichmäßig mattes Finish.
  • Formeinsätze: Einsätze für Versuchsserien im Spritzguss brauchen großzügige Entformungsschrägen, keine dünnen, hohen Merkmale und eine mit dem Spritzgießer abgestimmte Konstruktion. Die Standzeit ist kurz und hängt vom Kunststoff, seiner Temperatur und der Geometrie ab.

Thermische Nachbehandlung

Die thermische Nachbehandlung ist ein kontrollierter Ofenzyklus nach Druck und Stützentfernung. Sie hebt die HDT bei 0,45 MPa von etwa 58–68 °C auf etwa 82–90 °C. Sie bedeutet einen zusätzlichen Arbeitsschritt und mehr Zeit, und dünne oder lange Teile können sich verziehen. Geben Sie daher in der Bestellung an, ob die Behandlung erforderlich ist und welche Merkmale ebenheitskritisch sind. Ohne Nachbehandlung ist damit zu rechnen, dass Digital ABS oberhalb von etwa 55–60 °C erweicht.

Toleranzen und Oberfläche

Ohne Toleranzangabe in der Zeichnung gilt bei Uretyco für PolyJet-Teile standardmäßig ±0,2 mm oder ±0,2 %; engere Werte gelten nur, wenn sie in der Zeichnung angegeben und im Angebot akzeptiert sind. Die thermische Nachbehandlung kann Maße und Ebenheit dünner oder langer Teile verändern. Die Oberflächen sind wie bei anderen PolyJet-Werkstoffen glatt und detailreich. Bohrungen und passungskritische Flächen lassen sich nach dem Druck reiben oder spanend nachbearbeiten, wenn sie in einer Zeichnung gekennzeichnet sind.

Oberflächenbehandlungen

Digital-ABS-Teile werden oft im gedruckten Zustand eingesetzt. Nachbearbeitung dient vor allem Optik, Passungen und Wärmebeständigkeit.

OberflächeWirkungHinweise
Gedruckt, matt oder glänzendNiedrigste KostenFlächen mit Stützkontakt sind matt; Oberseiten können glänzen.
Schleifen und PolierenGlattere, gleichmäßige OberflächeEntfernt Stützspuren an Sichtflächen.
Grundieren und LackierenExakte Farbe, seriennahe OptikDigital ABS gibt es in wenigen festen Farben; für eine exakte Farbe lackieren Sie das Teil.
Bohren, Reiben und GewindeschneidenGenaue Bohrungen und GewindeKennzeichnen Sie Bohrungen und Passungen in einer Zeichnung.
EinsätzeBelastbare Gewinde für wiederholte MontageEinpress- oder Klebeeinsätze in vorbereiteten Bohrungen.
Thermische NachbehandlungHDT ≈ 82–90 °C bei 0,45 MPaVerlängert die Lieferzeit und kann dünne oder lange Teile verziehen.
Den realen Lastfall prüfen

Digital ABS verringert den Abstand zu spritzgegossenem ABS, schließt ihn aber nicht. Prüfen Sie Schnappverbindungen, Fallverhalten und warme Umgebungen an gedruckten Mustern, und berücksichtigen Sie bei der Auswertung den späteren Serienwerkstoff.

Kosten- und Lieferzeittreiber

Digital ABS kostet mehr als einzelne steife PolyJet-Werkstoffe, weil es zwei Werkstoffe in einem eigenen Druckmodus kombiniert:

  • Wie bei allen PolyJet-Teilen: Teilevolumen, Bauraumabmessungen, Ausrichtung, Stützmaterial und Maschinenzeit.
  • Der Zweikomponentenverbund selbst, der mehr kostet als ein einzelner steifer Werkstoff.
  • Thermische Nachbehandlung, Schleifen, Lackieren, Reiben und Einsätze, die jeweils einen Arbeitsschritt hinzufügen.
  • Massive, voluminöse Teile, die sich aushöhlen, teilen oder umkonstruieren ließen.
  • Lieferzeit: Kleine Teile können schnell sein; thermische Nachbehandlung, Lackierung und die Prüfung von Formeinsätzen verlängern die Zeit.

Digital ABS im Vergleich zu anderen Optionen für Funktionsprototypen

Werkstoff und VerfahrenZähigkeitWärmebeständigkeitOberfläche und DetailTypischer Einsatz
Digital ABS (PolyJet)Gut für ein Photopolymer (Izod ≈ 90–115 J/m)HDT ≈ 58–68 °C; ≈ 82–90 °C nach NachbehandlungAusgezeichnetZähe, detailreiche Funktionsprototypen
PolyJet Rigid OpaqueNiedrig; spröde (≈ 20–30 J/m)HDT ≈ 45–50 °CAusgezeichnet; Farben und MultimaterialAnschauungs- und Farbmodelle
Zähes SLA-HarzMittel bis gut; typabhängigHDT ≈ 45–65 °C, typabhängigAusgezeichnetGünstigere zähe Harzprototypen
ABS (FDM)Gut entlang der Schichten; schwächer quer dazu≈ 80–100 °CSichtbare SchichtlinienGünstige Prototypen aus echtem ABS
PA12 (MJF, SLS)Sehr gut≈ 80–100 °CLeicht körnigRobuste Funktionsteile und Kleinserien

Digital ABS liegt zwischen PolyJet-Anschauungsmodellen und echten Thermoplastteilen. Wählen Sie es, wenn ein detailreicher Prototyp Montage, Schnappverbindungen oder Stürze überstehen muss. Wählen Sie FDM-ABS, wenn der echte Werkstoff wichtiger ist als die Oberflächenqualität, und PA12, wenn Teile dauerhaft mechanisch funktionieren oder in Kleinserie entstehen sollen.

Wann Digital ABS nicht die richtige Wahl ist

Typische Fehlgriffe

Endanwendungen, die die Langzeiteigenschaften von ABS benötigen: Verwenden Sie spritzgegossenes oder gefrästes ABS. Dauerlast, besonders bei Wärme, weil Photopolymere kriechen. Einsatz über etwa 55–60 °C ohne thermische Nachbehandlung oder über etwa 80 °C mit Nachbehandlung. Außeneinsatz oder lange UV-Einwirkung. Sehr dünne Wände, in denen sich die volle Zähigkeit nicht ausbilden kann. Lebensmittel-, Haut- oder medizinischer Kontakt: Digital ABS ist dafür nicht zertifiziert; biokompatible PolyJet-Typen sind eigene Werkstoffe.

Typische Anwendungen

  • Prototypen für Schnapphaken, Clips und Montage.
  • Gehäuse für Elektronik und Konsumgüter.
  • Funktionsprototypen, die angefasst, fallen gelassen oder im Einsatz getestet werden.
  • Formeinsätze für kurze Spritzguss-Versuchsserien mit gängigen Thermoplasten.
  • Vorrichtungen, Halterungen und Lehren für leichte Beanspruchung.
  • Unbelastete Teile für warme Umgebungen bis etwa 80 °C nach thermischer Nachbehandlung.

Digital ABS bei Uretyco spezifizieren

  1. 1
    STL, 3MF oder STEP hochladen

    STEP erleichtert die Prüfung von Passungen und Formeinsätzen. Fügen Sie für Bohrungen, Gewinde und kritische Maße eine PDF-Zeichnung bei.

  2. 2
    PolyJet und Digital ABS wählen

    Geben Sie die Farbe an, wenn sie wichtig ist; Digital ABS gibt es in wenigen festen Farben.

  3. 3
    Temperatur und Nachbehandlung angeben

    Nennen Sie die Einsatztemperatur, ob eine thermische Nachbehandlung erforderlich ist und welche Merkmale eben bleiben müssen.

  4. 4
    Einsatzzweck beschreiben

    Teilen Sie dem Assistenten mit, ob es sich um einen Schnapphaken-Test, ein Gehäuse, einen Falltest oder einen Formeinsatz handelt, damit Werkstoffe und Verfahren verglichen werden können.

  5. 5
    Angebot prüfen

    Machbarkeit, Typ, Nachbehandlung, Oberfläche und Lieferzeit werden bei der Angebots- und Auftragsprüfung bestätigt.

Häufige Fragen

Ist Digital ABS dasselbe wie ABS?

Nein. Es ist ein ausgehärteter Photopolymerverbund, der Steifigkeit und Zähigkeit von ABS nachbildet, nicht der Thermoplast selbst. Es lässt sich nicht wie ABS aufschmelzen oder schweißen, seine Schlagzähigkeit liegt unter spritzgegossenem ABS, und es altert unter UV-Licht. Für Prototypen ist es ein guter Ersatz, für Endanwendungen nicht.

Brauche ich eine thermische Nachbehandlung?

Nur wenn das Teil bei Tests oder im Einsatz Temperaturen über etwa 55–60 °C ausgesetzt ist. Die Behandlung hebt die HDT bei 0,45 MPa auf etwa 82–90 °C, kostet aber Zeit und kann dünne oder lange Teile verziehen. Geben Sie die Einsatztemperatur in der Bestellung an, damit der Bedarf bestätigt werden kann.

Digital ABS oder Standard-PolyJet-Rigid?

Wählen Sie Standard-Rigid-Werkstoffe für Anschauungsmodelle sowie für farbige oder Multimaterialteile. Wählen Sie Digital ABS, wenn das Teil federn, schnappen oder Stürze überstehen muss: Seine Kerbschlagzähigkeit ist etwa viermal so hoch. Es kostet mehr und ist in weniger Farben erhältlich.

Eignet sich Digital ABS für Spritzguss-Formeinsätze?

Ja, für kurze Versuchsserien mit gängigen Thermoplasten, wenn die Spritzgießbedingungen an ein gedrucktes Werkzeug angepasst werden. Die Standzeit ist begrenzt und hängt von Kunststoff, Temperatur und Geometrie ab; planen Sie den Einsatz daher gemeinsam mit dem Spritzgießer. Für längere Serien werden gefräste Werkzeuge aus Aluminium oder Stahl verwendet.

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